Change Readiness als Basis für Digitalisierung
Projekt bei Infineon

Wie ist es um die Wandlungsfähigkeit unseres Unternehmens bestellt? Der Infineon Technologies AG am Standort Warstein war es wichtig, diese Frage im Vorfeld der Einführung einer neuen MES-Software zu klären.

Der Hintergrund

In Kooperation mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Siegen und unter Mitwirkung des Betriebsrats wurde eine „Change Readiness“-Mitarbeiter-Befragung durchgeführt. So konnten Hebel identifiziert werden, um von Anfang an die richtigen Weichen für eine erfolgreiche Digitalisierung zu setzen.

Die Herausforderung

Zu Beginn eines Digitalisierungsprojekts ist es wichtig zu prüfen, wie es um die Säulen der Veränderungsbereitschaft bestellt ist, um durch gezielte Change Maßnahmen den Erfolg des Projekts sicherzustellen. Genau dies war das Anliegen der Infineon Technologies AG: „Ziel war es, bei der Einführung des neuen MES-Systems, die Mitarbeiter mitzunehmen und frühzeitig und intensiv genug einzubinden“, wie Projektleiter Dr. Stefan Vollmer erklärt. Für die Einführung der MES-Software wurde daher eine entsprechende Betriebsvereinbarung geschlossen. Die Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war Teil dieser Betriebsvereinbarung. Dieses Vorgehen kennzeichnet eine sozialpartnerschaftlich geprägte Digitalisierung und entfaltet erfahrungsgemäß nachhaltige und positive Effekte für anschließende Digitalisierungsprojekte. Agilität und Wandlungsfähigkeit des Unternehmens werden durch ein beteiligungsorientiertes Vorgehen erheblich gefördert.

Die Lösung

Um die Veränderungsbereitschaft zu erfassen, wurde von den Change 4.0-Verantwortlichen des Kompetenzzentrums die Change Readiness-Befragung entwickelt. Neben den fünf Säulen der Veränderungsbereitschaft erfasst der standardisierte Fragebogen weitere Aspekte wie z.B. den generellen Umgang des Unternehmens mit Veränderungen und die Berücksichtigung von Mitarbeiterperspektiven. Die Change Readiness-Befragung wurde in Zusammenarbeit mit den Projektverantwortlichen bei Infineon und dem Betriebsrat mit Blick auf das spezielle MES-Projekt um weitere Fragen ergänzt, z.B. zum projektspezifischen Schulungsbedarf und als Mitarbeiterbefragung in der von der Einführung betroffenen Fertigungslinie ausgerollt.

Die Ergebnisse

Es konnte festgestellt werden, dass die Beschäftigten die Wandlungsbereitschaft des Unternehmens besonders positiv bewerten und dies wesentlich dazu beiträgt, dass auch sie selbst bereit für den digitalen Wandel sind. Als ausschlaggebend für die Wandlungsbereitschaft des Unternehmens wurden, aus Sicht der Mitarbeitenden, ein stimmiger Change-Management-Ansatz sowie agile und flexible Strukturen identifiziert. Der gelebte Digitalisierungs-Spirit im Unternehmen strahlt auf die Beschäftigten über. Hinsichtlich der Bereitschaft für das MES-Projekt wurde deutlich, dass Schulungen im Umgang mit dem neuen System eine große Rolle spielen. Hiermit ist die Selbstwirksamkeits-Säule der Veränderungsbereitschaft angesprochen: Durch eine gute Vorbereitung im Rahmen von Schulungen gewinnen die Beschäftigten an Souveränität und sind zuversichtlich den Wandel bewältigen zu können. Ein interessantes Ergebnis war es, dass sich die Beschäftigten nicht nur eine Befähigung in Bezug auf die technischen Herausforderungen wünschen, sondern auch Schulungen zur Interaktions- und Kommunikationsfähigkeit. Auch eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten stärkt die Veränderungsbereitschaft.

Der Ausblick

„Die Ergebnisse der Befragungen wurden dem Management und den Beschäftigten der betroffenen Produktionslinie als auch Mitgliedern des Betriebsrats vorgestellt und das Feedback war insgesamt sehr positiv“, so Dr. Stefan Vollmer. Die Rückspiegelung von Befragungsergebnissen ermöglicht es, tiefergehender und offener über die anstehenden Veränderungen zu sprechen und gemeinsam mit den Beteiligten Lösungen zu entwickeln, die alle mitnehmen. Geplant ist, den Rollout der MES-Software auf eine andere Produktionslinie wieder durch eine Change Readiness-Befragung zu begleiten.

Die Ergebnisse der Befragungen wurden dem Management und den Beschäftigten der betroffenen Produktionslinie als auch Mitgliedern des Betriebsrats vorgestellt und das Feedback war insgesamt sehr positiv.

Dr. Stefan Vollmer, Projektleiter bei Infineon.